Bericht vom „Cancer Survivors Day“ 2017

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Viele Interessierte beim 1. Patiententag der Hamburger Krebsgesellschaft e.V.

Am 01. Juni fanden sich Patienten, Angehörige und weitere Interessierte zu einem besonderen Patiententag in der Hamburger Krebsgesellschaft ein – denn anlässlich des von der Deutschen Krebsstiftung ausgerufenen „German Cancer Survivors Day“ soll jährlich auf die Situation von Menschen, die von Krebs geheilt sind oder mit einer (chronischen) Krebserkrankung leben, aufmerksam gemacht werden. Der Andrang war so groß, dass viele keinen Platz für die Teilnahme mehr bekommen konnten. „Das zeigt uns aber auch, wie wichtig dieses Thema für die Betroffenen ist und dass es noch nicht genug Angebote dazu gibt“, sagt Monika Bohrmann, Psychoonkologin und Leiterin des Beratungsdienstes der HKG e.V.

Noch nie standen die Chancen so gut, eine Krebserkrankung lange zu überleben oder gänzlich von ihr geheilt zu werden. So zählen in Deutschland zur Zeit mehr als 3,2 Millionen Menschen zu den so genannten „Cancer Survivors“, den „Krebsüberlebenden“ (Quelle: DKG). Doch mit erfolgreicher Beendigung einer Krebstherapie sind viele Menschen nicht wieder so gesund, wie sie es vor der Erkrankung einmal waren. Viele Langzeitüberlebende leiden noch lange unter körperlichen, seelischen und sozialen Folgen. Diese sind abhängig von der ursprünglichen Krebserkrankung und ihrem individuellen Verlauf sowie von der Behandlung und den Nebenwirkungen. Besonders häufig leiden Krebsüberlebende unter Erschöpfung (Fatigue), Schmerzen, Schlafstörungen, Ängsten und Sorgen, kognitiven Einschränkungen und Polyneuropathie. Aber auch der Umgang mit körperlichen Veränderungen und Einschränkungen durch z.B. Operationen kann die Betroffenen sehr belasten. Nicht zu vergessen die finanziellen Schwierigkeiten, in die viele ehemalige Krebspatienten durch lange Arbeitspausen oder sogar dauerhafte Berufsunfähigkeit geraten.

In ihrem Einführungsvortrag gab Priv.-Doz. Dr. med. Georgia Schilling einen umfassenden Überblick über die Folgen, mit denen viele Krebspatienten nach Abschluss der Therapie zurechtkommen müssen.
Die Gesundheitswissenschaftlerin Lucie Schauer zeigte anschließend auf, was Betroffene selbst für sich tun können, um ihre Gesundheit und ihr Wohlbefinden zu stärken, und Psychologin Monika Bohrmann und Sozialpädagogin Helga Wolff erklärten gemeinsam die vielfältigen Hilfsangebote der psychosozialen Nachsorge.
Abschließend stellte Barbara Koch, Fachärztin für Innere Medizin, das Survivorship – Programm L.O.T.S.E. des Universitären Cancer Centers am UKE vor. In dieser speziellen Sprechstunde werden Krebspatienten ganz gezielt für das Leben nach der Erkrankung beraten und unterstützt.
Ein besonderes Highlight waren die beiden Patienteninterviews, in denen zwei Betroffene auf sehr offene und berührende Weise an ihren ganz persönlichen Erfahrungen teilhaben ließen. Zum Schluss der Veranstaltung las die Autorin Catharina Junk aus ihrem Roman „Auf Null“, in dem sie davon erzählt, wie eine junge Krebspatientin nach Abschluss der Therapie wieder Zutrauen ins (Über-) Leben fasst.

Der Cancer Survivors Day soll künftig jährlich Anfang Juni von der Hamburger Krebsgesellschaft mit einem Patiententag begangen werden.

 

Diese Vorträge können Sie hier ansehen oder herunterladen:

PD Dr. med. Georgia Schilling: Wie geht es eigentlich den Krebs-Langzeitüberlebenden? (PDF, 3 MB)

Barbara Koch, Universitäres Cancer Center Hamburg (UCCH): Das Survivorship-Programm des UCCH / Leben nach Krebs (PDF, 695 KB)

Monika Bohrmann, Dipl.-Psychologin; Helga Wolff, Dipl.-Sozialpädagogin: Psychosoziale Nachsorge: Welche Möglichkeiten der Unterstützung gibt es für mich?
Teil I (PDF, 26 MB)
Teil II (PDF, 2 MB)